Story 13.05.2019

Life Saver – Der PC-24 mit Ambulanzinterieur

Mit der Lancierung des PC-24 konnte der Royal Flying Doctor Service of Australia (RFDS) erneut als Kunde gewonnen werden. In einem vierjährigen Projekt wurde eine kundenspezifische Ambulanzausstattung der neuesten Generation entwickelt und eingebaut. Pilatus Flugzeugwerke AG

Der RFDS betreibt PC-12 seit 1995. Die Organisation operiert aktuell 35 PC-12, mit welchen rund um die Uhr Patienten auf dem Australischen Kontinent versorgt werden. Wie der PC-12 verfügt auch der PC-24 über ein grosses Frachttor, Kurzstart- und Landeeigenschaften sowie die Möglichkeit, auf unbefestigten Landebahnen zu operieren. Diese Eigenschaften machen beide zu idealen Ambulanzflugzeugen. Zusammen mit der Schweizer Firma Aerolite AG wurde die Ambulanzausstattung des PC-24 entwickelt, welche den aussergewöhnlichen Einsatzanforderungen des RFDS entspricht.

Von der Idee zum finalen Design – Die Entwicklung

Die Grundanforderungen an die Innenausstattung für den RFDS PC-24 leiteten sich vom PC-12 mit zwei Patiententragen ab. Die grössere Kabine und die Flugleistungen des PC-24 ermöglichen es, mit bis zu drei Tragen zu operieren, was das Einsatzspektrum erweitert.

Zusammen mit systemspezifischen Anforderungen entstand im Sommer 2016 das erste Ambulanzinterieur für den PC-24, welches in mehreren Prozessschritten zum finalen Design reifte. Zentral in der Konzeptphase war ein Holz-Mock-up, welches der Kabine mit Fenstern und Türen in Originalgrösse nachempfunden ist. So konnten diverse Designverifizierungen vorgenommen werden. Es wurde beispielsweise getestet, ob die Tragen durch das Frachttor in die Kabine passen oder schnelle Konfigurationsänderungen von drei auf zwei Tragen mit Bestuhlung für zusätzliches Personal durchgeführt werden können.

Der Bau und die Zulassung

Nach der finalen Designfreigabe im Mai 2017 wurden die Herstellzeichnungen erstellt und die Produktion der Einzelteile des Interieurs eingeleitet. Für die Zulassung der Systeme bei der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) wurden Zertifizierungspläne und Zulassungsberichte geschrieben und eingereicht sowie gewisse Komponenten wie beispielsweise der Hebelift oder die Sitze getestet.

Parallel dazu produzierte Pilatus den PC-24 mit Seriennummer 105, der ohne Interieur fertiggestellt und eingeflogen wurde. Im Sommer 2018 begann der gut sechsmonatige Einbau der Innenausstattung in Stans. Dank grossem Einsatz der Aerolite und Pilatus Teams wurde «S/N 105» Anfang November komplettiert. Die Spezialisten integrierten spezifische Sauerstoff- und Vakuumsysteme für eine durchgängige Patientenversorgung während des Flugs. Eine separate Stromversorgung speist medizinische Geräte, die zur Überwachung und Lebenserhaltung der Patienten notwendig sind. Zudem ermöglichen vom Cockpit unabhängige Systeme die permanente Kommunikation der Medizincrew mit Spitälern und Ambulanz. Der elektrisch betriebene Lift beim Frachttor dient zum sicheren und angenehmen Be- und Entladen der Patienten in horizontaler Lage auf den eigens für den PC-24 entwickelten Patiententragen.

Nachdem die EASA am 9. November 2018 die Zulassung für die Ambulanzausstattung erteilte, konnten sämtliche Testflüge in der Schweiz erfolgreich absolviert werden.

G'Day Australia

Am 26. November 2018 war es soweit: Rebecca Tomkinson, CEO der RFDS Western Operations, durfte den Schlüssel des ersten PC-24 mit Ambulanzausstattung an einer Übergabefeier in Stans entgegennehmen. Sichtlich beeindruckt von der Grösse des Flugzeugs und der Qualität des Innenausbaus bestätigte sie, dass der PC-24 «eine markante Verbesserung der Gesundheitsversorgung für die Einwohner Australiens darstellt».

Der PC-24 startete am nächsten Tag den Überflug nach Australien, wo im Dezember intensive Trainingsflüge für die Einsatzvorbereitung mit den Piloten und der Medizincrew stattfanden. Die ersten Rückmeldungen waren sehr positiv, was die Teams in Stans für die Fertigstellung von zwei weiteren Ambulanz PC-24 – unter anderem eine für RFDS Central Operations – zusätzlich anspornt.