Piloten-Interviews 16.06.2016

Chefpilot und Fluglehrer auf dem PC-21

Daniel Stämpfli oder auch «Stampa», wie ihn seine Fliegerkollegen nennen, hat viel Erfahrung mit den Trainingsflugzeugen PC-7 und PC-21. Bei der Schweizer Luftwaffe bildet er angehende Militärpiloten auf dem PC-21 aus. Seit April 2016 ist er zudem Kommandant des PC-7 TEAMS, der Kunstflugstaffel der Schweizer Luftwaffe.

Wolltest Du schon immer Pilot werden?
Ich bin in Zumikon, Kanton Zürich, aufgewachsen. Das Dorf liegt nahe am Flugplatz Dübendorf. In den 80er Jahren herrschte hier noch viel mehr Betrieb und die Flugzeuge flogen stündlich über unser Haus. Das hat mich natürlich fasziniert. So richtig gepackt hat es mich dann schliesslich 1986, nachdem ich den Film «Top Gun» im Kino gesehen habe. Ab dem Moment war für mich klar, dass ich Pilot werden möchte.

Wo hast Du Deine Ausbildung absolviert?
Zu meiner Zeit hat man die Fliegerische Vorschulung FVS absolviert. Diese dauerte zwei Mal zwei Wochen. Danach ist man bereits in die Piloten-Rekrutenschule eingerückt. Hier fand dann die eigentliche Selektion statt. Zuerst wurde man vier Wochen auf einem Simulator und dann nochmals gleich lange direkt auf dem Flugzeug geprüft. Wenn man die Selektion geschafft hatte, war man dabei und es ging gleich weiter. Heute findet der Einstieg in die Militärfliegerei via SPHAIR.ch statt.

Seit wann arbeitest Du als Chefpilot für das PC-21 Programm?
Hier in Emmen arbeite ich seit rund drei Jahren.

Was ist in dieser Funktion Deine Aufgabe?
In erster Linie bin ich Fluglehrer und bilde unsere Flugschüler auf dem PC-21 aus – sowohl direkt auf dem Flugzeug, als auch im Simulator. Rund zehn Prozent meiner Arbeitszeit entfällt auf die Arbeit als Chefpilot. In dieser Funktion überprüfe ich, ob der PC-21 den Anforderungen unserer Ausbildung entspricht oder ob Modifikationen vorgenommen werden müssen. Dies geht einher mit dem anschliessenden Aktualisieren des Benutzerhandbuchs, dem sogenannten Manual. Dahinter steht natürlich ein ganzes Team. Ich bin zu diesem Zweck auch oft in Stans, um mich hier direkt mit den Spezialisten auszutauschen und meine Anliegen zu besprechen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?
Einen typischen Arbeitstag habe ich nicht. Ich arbeite sowohl in der Luft als auch im Büro und übe dabei verschiedene Tätigkeiten aus. Rund zehn Prozent meiner Arbeitszeit bin ich in der Einsatzzentrale in Dübendorf tätig. Seit dem 18. April 2016 bin zudem als Kommandant mit dem PC-7 TEAM unterwegs. Für die verschiedenen Aufgaben muss ich mich immer ein wenig anders vorbereiten, ich verliere dadurch auch einige Zeit im Auto. Wenn  ich als Fluglehrer arbeite, beginnt der Tag typischerweise um 7.15 Uhr mit einem gemeinsamen Briefing, dabei wird vor allem die Wettersituation analysiert. Gegen den Abend ist der Tag offen. Er endet dann, wenn das Flugtraining abgeschlossen ist. Meine Arbeit ist sehr abwechslungsreich – ein Tag gleicht bei mir nur selten dem anderen.

Wie viele Flugschüler bildet die Luftwaffe pro Jahr auf dem PC-21 aus?
Aktuell bilden wir fünf Flugschüler aus. Die Anzahl Flugschüler kann von Jahr zu Jahr variieren, da sie vom Bedarf abhängt. Wir hätten theoretisch die Kapazität, bis zu acht Flugschüler auszubilden.

Wie viele Stunden bist Du mit dem PC-21 in der Luft?
In einem normalen Jahr fliege ich rund 200 Stunden mit dem PC-21. Ab diesem Jahr werden es weniger sein, da mich die Arbeit als Kommandant des PC-7 TEAM etwa 40 Prozent in Anspruch nehmen wird. So erwarte mich, dass ich noch rund 100 Stunden mit dem PC-21 pro Jahr fliegen kann.

Wo genau fliegt ihr?
Wir fliegen mit unseren Schülern hauptsächlich ab Emmen. Im Sommer sind wir während drei Monaten in Sion. Eine Woche fliegen wir zudem mit unseren Schülern im Ausland. Die Flugschüler sollen so etwas Neues kennenlernen. Alleine das Hinfliegen ist eine Herausforderung für sie. Denn ein Flug in unbekanntes Gebiet bedarf einer besonderen Planung; es gelten andere Regeln und andere Verfahren. Ausserdem entsteht so ein wertvoller Austausch mit anderen Luftwaffen. Letztes Jahr waren wir zum Beispiel in Wales.

Was zeichnet Deiner Meinung nach den PC-21 als Schulungsflugzeug aus?
Ich bin ein grosser Fan des PC-21. Die Möglichkeit, über den PC-21 direkt auf den F/A-18 umzusteigen, beeindruckt mich und spricht für das Trainingsflugzeug. Seit wir unsere Flugschüler so ausbilden, haben alle den Umschulungskurs bestanden, also fast 40 Schüler! Das beweist, dass es möglich ist, die Ausbildung ohne einen teuren Jet-Trainer zu machen. Natürlich hat der PC-21 nicht die Geschwindigkeit und die Masse eines Jets – diese Aspekte lernt man erst auf dem F/A-18 kennen – mit dem PC-21 kommen Piloten aber schon mit dem modernen Cockpit in Berührung. Das PC-21 Cockpit sieht ähnlich aus, wie jenes im F/A-18. Auch die Funktionen der Knöpfe und Schalter am Steuerknüppel und Leistungshebel sind praktisch identisch mit jenen in der Hornet.

Die Philosophie ist ganz einfach: Je früher der Schüler in Berührung mit dem Systemmanagement des Kampfjets kommt, desto einfacher und nachhaltiger lernt er es. Die Ausbildung mit dem PC-21 ist zudem viel kostengünstiger: Eine Flugstunde auf dem PC-21 kostet rund einen Achtel dessen, was eine Flugstunde im F/A-18 kostet. Ferner muss ich erwähnen, dass der Pilatus Trainer eine sehr hohe Verfügbarkeit hat. Die PC-21 Flotte ist zu über 90 Prozent verfügbar und somit praktisch immer einsatzbereit wenn wir sie benötigen. Dies hilft uns, in der Ausbildung vorwärtszukommen.

Wo siehst Du noch Potenzial?
Ein Flugzeug hat natürlich für einen Piloten generell nie genug Schub und kann immer noch schneller sein. Nein, Spass beiseite: Beim PC-21 sehe ich aktuell keinen Bedarf, irgendetwas fundamental zu ändern. Detailanpassungen nehmen wir aber laufend vor. Ich bin sehr zufrieden mit diesem Trainingsflugzeug. Ich schätze es ausserdem, dass Pilatus immer bestrebt ist, uns zu zeigen, was mit dem Flugzeug ausbildungstechnisch alles noch möglich wäre.

Welches waren die herausforderndsten Flugbedingungen,  die Du in einem PC-21 gemeistert hast?
Der PC-21 ist sehr einfach zu fliegen, was natürlich super ist. Denn so hat der Pilot genügend Zeit, um sich auf die Systeme zu konzentrieren und seine Mission zu erfüllen. Für mich persönlich spannend und herausfordernd zugleich sind die PC-21 Demonstrationsflüge, die ich an militärischen Anlässen fliege. Hier fliege ich alleine und nicht im Verband, das habe ich vorher nicht gekannt. Bei diesen Demonstrationsflügen wirken, je nach Programm das ich fliege, bis zu 7g auf den Körper. Das Displayprogramm wurde vom Pilatus Cheftestpilot Reto «Aeschli» Aeschlimann entwickelt – er ist ein herausragender Pilot und Kenner des PC-21!

Du bist zum Kommandanten des PC-7 TEAM ernannt worden. Auf was freust Du Dich am meisten?
Bei dieser Tätigkeit freue mich vor allem auf das Teamerlebnis. Früher flog ich in der Patrouille Suisse und habe das dort immer sehr geschätzt

An welchem Flugzeugtyp hängt Dein Herz mehr: am PC-7 oder am PC-21?
Diese Frage ist schwierig zu beantworten. Der PC-7 war mein erstes Militärflugzeug, welches ich flog. Zu diesem hat man immer eine spezielle Beziehung. Aus fliegerischer Sicht ist es aber der PC-21, an welchem mein Herz hängt. Er ist moderner, schneller und hat viel mehr Systeme integriert. Der PC-21 hat eine «Moving Map», also eine Karte, die Auskunft darüber gibt, wo man sich genau befindet. Ausserdem reagiert das Flugzeug auf Steuerungsimpulse sehr schnell.

Wie sehen Deine Zukunftspläne aus?
Ich fühle mich sehr wohl im Moment und bin sehr glücklich. Ich habe in Dübendorf gestartet, war später in Meiringen stationiert und bin jetzt in Emmen angelangt. Ich hoffe, dass ich in Emmen bleiben kann. Die Zentralschweiz gefällt mir und meiner Familie sehr gut.